"Wahrlich, ich sage euch: Niemand kann in das Reich Gottes eintreten, wenn er nicht aus Wasser und Geist geboren ist. Fleisch gebiert Fleisch, aber der Geist gebiert Geist. Sie sollten nicht überrascht sein, wenn ich sage: "Du musst wiedergeboren werden." Der Wind weht, wohin er will. Man hört seinen Klang, aber man kann nicht sagen, woher er kommt oder wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren wurde.“
Sahaja Yoga ermöglicht eine spontane Vereinigung mit dem Selbst. „Saha“ bedeutet „mit“ und „ja“ bedeutet „geboren“. „Yoga“ bedeutet Vereinigung mit dem Selbst. „Sahaja Yoga“ bedeutet also, dass die Vereinigung mit dem Selbst, das in uns ist, spontan geschieht.
Diese Vereinigung basiert auf dem Erwachen einer spirituellen, mütterlichen und intelligenten Energie, die sich in jedem von uns in unserem Inneren in einem eingerollten Zustand befindet und welche Kundalini genannt wird. Diese Erfahrung, die wir als „Selbstverwirklichung“ bezeichnen, ermöglicht es uns, dass wir uns auf den Weg zur Essenz unseres Seins, also des Selbst, begeben und den Körper, die Emotionen, die Konditionierungen und das Egos transzendieren.
Diese Energie kann von Anfang an als ein kühler Hauch wahrgenommen werden, der sich in unseren Händen und oberhalb unseres Kopfes über der Fontanelle manifestiert. Zu allen Zeiten und in allen spirituellen Traditionen wurde die Art und Weise, wie sich diese Energie bzw. das Selbst manifestieren, mit dem Begriff des Hauchs oder des Atems beschrieben. Das lateinische Wort Spiritus bedeutet primär Atem oder Lufthauch.
"Freund, ich wohne in deinem Herzen: Warum Mich woanders suchen? Ich bin weder im Tempel, noch in der Moschee, noch in der Kaaba, noch im Kailash. Ich bin weder in den Riten oder Ritualen, noch im Yoga oder in der Entsagung. Wenn du wüsstest, wie ich zu suchen wäre, würdest du mich augenblicklich finden. Kabir sagte: Höre mich, o Bruder Sadhu, Er ist der Atemzug aller Atemzüge!“
In diesem Sinne ermöglicht Sahaja Yoga dem nach Wahrheit Suchenden die Aktualisierung des Erleuchtungserlebnisses, genauso wie es in den heiligen Schriften und Texten beschrieben wird. Durch diese Erfahrung gelangen wir zur Quelle, die uns erschaffen hat. Weil dieses Erwachen aber stattfindet, obwohl wir noch nicht völlig rein bzw. gereinigt sind, ist es noch kein vollumfassendes. Das Erwachen ist noch nicht vollkommen. Wir müssen deswegen unserer Kundalini gewähren, mit dieser inneren Reinigungsarbeit weiterfortzufahren und den Weg der inneren Transformation mit der entsprechenden Geduld und Beharrlichkeit zu beschreiten.
Die regelmäßige Praxis der Meditation wird es uns ermöglichen, diese Energie mit Schwingungen zu nähren, unser inneres feinstoffliches Wesen und damit unseren physischen, emotionalen und psychischen Körper zu regenerieren, unsere Energien und unsere Persönlichkeit auszugleichen und uns erlauben, nach und nach in einen neuen Bewusstseinszustand einzutreten, welcher «gedankenfreies Bewusstsein» genannt wird. In diesem Bewusstseinszustand wird unser Selbst, also unser nicht-manifestiertes inneres Wesen, befähigt, in unser Bewusstsein zu dringen und somit zu erwachen. Wir erleben einen Zustand der Erfülltheit, der uns eine neue Wahrnehmung von uns selbst und unserer Umwelt beschert.
In uns entwickelt sich auch eine neue Form des Bewusstseins, die „kollektives Bewusstsein“ genannt wird, mit welchem wir durch unser Nervensystem, in unseren Händen und in unserem Körper wahrnehmen können, dass wir sowohl Teil des Ganzen sind als auch das Ganze in uns spüren können.
Die Fähigkeit, solches zu erleben, ist ein Entwicklungsschritt in der menschlichen Evolution und es ist daher nicht möglich dafür zu bezahlen. Genauso wenig ist diese Fähigkeit an die Zugehörigkeit einer Religion oder Glaubensrichtung gebunden. Es ist ein lebendiger Prozess, der sich konkret in jedem Menschen einstellen kann und der abhängt von einer offenen Geisteshaltung bzw. von dem Wunsch, die Wahrheit suchen und erkennen zu wollen.
